Glossar

Glossar zur Vogelspinnenhaltung

Fachbegriffe helfen, Lebensweise, Verhalten und Haltung präzise zu beschreiben. Dieses Glossar übersetzt wichtige zoologische und terraristische Begriffe in verständliche Sprache.

Die Erklärungen sind bewusst knapp gehalten. Für konkrete Haltungsentscheidungen bleibt immer das vollständige Artenporträt entscheidend.

Grundsatz

Präzise Begriffe statt pauschaler Etiketten.

Verstehen statt Fürchten.

A bis B

Adult

Geschlechtsreifes Entwicklungsstadium. Ein adultes Tier ist ausgewachsen im biologischen Sinn, kann sich aber je nach Geschlecht und Art weiterhin häuten.

Alte Welt

Vogelspinnen aus Afrika, Asien und Teilen Europas. Sie besitzen keine Brennhaare und können bei Störung häufig schneller sowie deutlich defensiv reagieren.

Arboreal

Zoologischer Begriff für baum- oder strukturgebunden lebend. Arboreale Vogelspinnen nutzen erhöhte Rückzugsorte, senkrechte Flächen und Gespinste oberhalb des Bodens.

Art

Die zweite Einheit eines wissenschaftlichen Namens. Bei Caribena versicolor ist versicolor der Artname. Er wird kleingeschrieben.

Baumbewohner

Vogelspinnen, die überwiegend erhöhte Strukturen nutzen. Ihr Terrarium benötigt Höhe, senkrechte Korkflächen, stabile Ankerpunkte und wirksame Belüftung. Beispiel: Caribena versicolor.

Bodenbewohner

Arten, die hauptsächlich am Boden leben. Sie benötigen nutzbare Grundfläche, standfesten Bodengrund, ein bodennahes Versteck und eine geringe freie Fallhöhe.

Brennhaare

Spezialisierte Haare vieler Vogelspinnen der Neuen Welt. Sie können Haut, Augen und Schleimhäute reizen und dienen vor allem der Verteidigung.

Brennhaare Typ II

Ein bei mehreren baumbewohnenden Vogelspinnen vorkommender Brennhaartyp. Die Haare werden häufig durch direkten Kontakt oder Reiben übertragen und nicht typischerweise mit den Hinterbeinen aktiv abgestreift. Bei Caribena versicolor können einzelne Haare dennoch auch in die Umgebung gelangen.

C bis H

CITES

Internationales Übereinkommen zur Regulierung des grenzüberschreitenden Handels mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Eine Listung bedeutet nicht automatisch ein pauschales privates Haltungsverbot. Entscheidend sind Anhang, Herkunft und geltendes nationales Recht.

Defensiv

Eine Reaktion auf eine wahrgenommene Bedrohung. Dazu können Rückzug, Flucht, Brennhaare, Drohhaltung oder ein Verteidigungsbiss gehören. Der Begriff ist präziser als die pauschale Bezeichnung „aggressiv“.

Doppelbelüftung

Lüftungsflächen in unterschiedlichen Höhen, durch die ein wirksamer Luftaustausch entsteht. Besonders bei feucht gehaltenen und arborealen Arten reduziert sie stehende Luft und dauerhaft nasse Oberflächen.

Endemisch

Eine Art kommt natürlicherweise nur in einem begrenzten Gebiet vor. Caribena versicolor ist beispielsweise auf Martinique beschränkt.

Feuchtigkeitsgefälle

Unterschiedlich feuchte Bereiche innerhalb eines Terrariums. Statt überall dieselbe Feuchtigkeit zu erzwingen, kann das Tier zwischen trockeneren und leicht feuchteren Zonen wählen.

Fossorial

Grabend beziehungsweise überwiegend in selbst angelegten oder erweiterten Erdröhren lebend. Fossoriale Arten benötigen besonders tiefes, verdichtbares Substrat.

Gattung

Die erste Einheit eines wissenschaftlichen Namens. Bei Caribena versicolor ist Caribena die Gattung. Der Gattungsname beginnt mit einem Großbuchstaben.

Habitat

Der natürliche Lebensraum einer Art. Dazu gehören nicht nur Klimaangaben, sondern auch Boden, Vegetation, Rückzugsorte, Jahreszeiten und Mikroklima. Habitatwissen vertiefen.

Häutung

Vorgang, bei dem die Vogelspinne ihre alte Außenhaut abstreift. Während und unmittelbar nach der Häutung ist sie besonders verletzlich und benötigt Ruhe.

I bis M

Individuum

Das einzelne Tier. Artenporträts beschreiben typische Tendenzen, können das Verhalten eines bestimmten Individuums aber nicht garantieren.

Juvenil

Noch nicht geschlechtsreifes Entwicklungsstadium. Jungtiere können sich in Färbung, Körperproportionen, Feuchtigkeitsbedarf und Verhalten deutlich von adulten Tieren unterscheiden.

Körperlänge

Bei Vogelspinnen meist die Länge des Körpers ohne Beine. Sie darf nicht mit der Beinspannweite verwechselt werden.

Lebensweise

Beschreibt, wie eine Art ihren Lebensraum nutzt, etwa bodenbewohnend, arboreal oder fossorial. Sie bestimmt wesentlich Aufbau und Proportionen des Terrariums.

Mikroklima

Die unmittelbaren Bedingungen an einem kleinen Ort, etwa innerhalb einer Wohnröhre oder eines Gespinstes. Sie können deutlich vom allgemeinen Klima des Fundortes abweichen.

Molting

Englischer Begriff für Häutung. In deutschsprachigen Texten ist „Häutung“ meist verständlicher.

Nachzucht

Ein in menschlicher Obhut gezüchtetes Tier. Nachvollziehbare Nachzuchten sind Wildfängen vorzuziehen und sollten mit Kauf- beziehungsweise Herkunftsnachweisen dokumentiert sein.

Neue Welt

Vogelspinnen aus Nord-, Mittel- und Südamerika sowie der Karibik. Viele Arten besitzen Brennhaare. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede Art langsam oder anfängergeeignet ist.

Q bis S

Querbelüftung

Gegenüberliegende Lüftungsflächen, die einen Luftaustausch durch das Terrarium ermöglichen. Sie ist besonders wichtig, wenn Feuchtigkeit und schnelle Abtrocknung ausgewogen werden müssen.

Röhrenbewohner

Arten, die einen großen Teil ihres Lebens in tiefen Wohnröhren verbringen. Sie benötigen viel Substrattiefe, einen Bauansatz und möglichst ungestörte Rückzugsbereiche.

Schutzstatus

Rechtliche oder naturschutzfachliche Einordnung einer Art. Sie kann internationale Handelsregeln, nationale Schutzbestimmungen oder regionale Verbote umfassen.

Spiderling

Terraristischer Begriff für ein sehr junges Tier nach den frühen Entwicklungsstadien. Größe und Pflegebedarf können je nach Art stark variieren.

Subadult

Fortgeschrittenes, aber noch nicht sicher adultes Entwicklungsstadium. Bei Männchen kann erst die Reifehäutung eindeutig zeigen, dass das Tier adult ist.

Synonym

Ein früher verwendeter wissenschaftlicher Name, der heute derselben Art zugeordnet wird. Avicularia versicolor ist ein älterer Name von Caribena versicolor.

T bis W

Taxonomie

Wissenschaftliche Einordnung und Benennung von Organismen. Neue Untersuchungen können dazu führen, dass Arten einer anderen Gattung zugeordnet oder frühere Namen als Synonyme behandelt werden.

Terrestrisch

Am Boden lebend. Der Begriff wird häufig für Bodenbewohner verwendet, schließt aber zusätzliches Graben nicht aus.

Typusart

Die Art, an der eine Gattung nomenklatorisch verankert ist. Sie legt nicht fest, dass alle anderen Arten der Gattung identische Lebensweisen oder Haltungsansprüche besitzen.

Wohngespinst

Ein dichter, röhren- oder kammerartiger Rückzugsort aus Seide. Baumbewohner verbinden damit häufig Kork, Äste, Blätter oder Terrarienwände. Das Gespinst dient Schutz, Orientierung und der Wahrnehmung von Erschütterungen.

Wasserschale

Ständige Quelle für frisches Wasser. Sie gehört auch bei Arten aus trockenen Lebensräumen zur Grundausstattung und ersetzt nicht die artspezifische Gestaltung des Substratklimas.

Wildfang

Ein der Natur entnommenes Tier. Für eine verantwortungsvolle Haltung werden legal gezüchtete Nachzuchten mit nachvollziehbarer Herkunft bevorzugt.

Begriffe in der Praxis

Im Artenporträt von Caribena versicolor werden arboreale Lebensweise, Wohngespinst, Typ-II-Brennhaare und Belüftung im konkreten Zusammenhang erklärt.

Zum Artenporträt von Caribena versicolor

Zum Haltungsratgeber · Habitate verstehen · Alle Artenporträts

Wichtiger Hinweis

Begriffe schaffen Orientierung. Sie ersetzen weder das Artenporträt noch die Beobachtung des einzelnen Tieres.