Caribena versicolor
Martinique-Baumvogelspinne
Caribena versicolor ist eine baumbewohnende Vogelspinne der Neuen Welt und kommt ausschließlich auf Martinique vor. Jungtiere fallen durch ihre intensiv blaue Färbung auf, während adulte Tiere ein vielschichtiges Farbspiel aus Grün-, Blau-, Violett- und Rottönen entwickeln.
Die Art baut ausgeprägte röhrenförmige Wohngespinste in erhöhten Strukturen. Sie kann schnell reagieren und benötigt vor allem ein gut belüftetes, sicher eingerichtetes Hochterrarium. Damit eignet sie sich eher für Halter, die bereits grundlegende Erfahrung mit Vogelspinnen und geplanten Pflegeabläufen besitzen.
Auf einen Blick
Lebensweise: Baumbewohner
Herkunft: Martinique
Herkunftswelt: Neue Welt
Erfahrungsstufe: Fortgeschritten
Besonderheit: dichter Röhrengespinstbau
Steckbrief und Systematik
| Wissenschaftlicher Name | Caribena versicolor (Walckenaer, 1837) |
| Frühere Bezeichnung | Avicularia versicolor |
| Familie | Theraphosidae |
| Unterfamilie | Aviculariinae |
| Gattung | Caribena Fukushima & Bertani, 2017 |
| Verbreitung | Martinique; dort endemisch |
| Lebensraum | vor allem mesophile Wälder; Rückzugsorte in Bromelien, zwischen Ästen, in Bambus, an Baumstämmen und gelegentlich an Gebäudestrukturen |
| Lebensweise | arboreal; ausgeprägtes röhrenförmiges Wohngespinst |
| Körperlänge | in der Haltung häufig ungefähr 5 bis 6 cm; abhängig von Geschlecht und Individuum |
| Beinspannweite | in der Haltung häufig ungefähr 12 bis 15 cm; Erfahrungswert |
| Lebenserwartung | Weibchen können in der Haltung deutlich über zehn Jahre erreichen; Männchen leben nach der Reife kürzer |
Warum die Art heute Caribena versicolor heißt
Die Art war in Literatur und Terraristik lange als Avicularia versicolor bekannt. Fukushima und Bertani stellten 2017 im Rahmen einer umfangreichen Revision die neue Gattung Caribena auf und überführten die Art dorthin.
Der heute akzeptierte Name lautet Caribena versicolor. Der World Spider Catalog führt Martinique als bestätigte Verbreitung. Ältere Angaben zu Guadeloupe, Kuba oder dem südamerikanischen Festland gelten nicht als gesicherte Vorkommen dieser Art.
Die Gattung Caribena enthält nach der Revision zwei anerkannte Arten. Farbe allein reicht für eine sichere taxonomische Bestimmung nicht aus; eine nachvollziehbare Nachzuchtherkunft bleibt deshalb wichtig.
Habitat und natürliche Lebensweise
Caribena versicolor ist auf Martinique endemisch. Eine mehrjährige Feldstudie beschrieb die Art vor allem aus mesophilen Wäldern. Ihre Wohngespinste wurden in Bromelienblättern, zwischen Ästen, in hohlen Bambusabschnitten, an Baumstämmen und auch in geeigneten menschlichen Strukturen gefunden.
Die Art nutzt damit keine offene Baumkrone ohne Schutz, sondern enge, strukturierte Hohlräume und Verbindungen, die sie mit Seide zu einem röhrenförmigen Rückzugsort ausbaut. Gespinst dient als Schutz, Laufweg und empfindliches System zur Wahrnehmung von Erschütterungen.
Martinique besitzt tropische, räumlich und jahreszeitlich unterschiedliche Bedingungen. Daraus folgt keine Haltung in dauerhaft nasser, schlecht belüfteter Luft. Im Terrarium sind Luftaustausch, ein begrenztes Feuchtigkeitsgefälle und ein trocknungsfähiger Wohngespinstbereich wichtiger als eine starre Luftfeuchtigkeitszahl.
Artenschutz und nachvollziehbare Herkunft
Die Art und ihre natürlichen Fortpflanzungs- und Ruhestätten stehen in Frankreich unter besonderem Schutz. Das französische Schutzdekret von 2017 untersagt unter anderem Entnahme und Störung in der Natur sowie den Besitz und Handel von nach Inkrafttreten aus Martinique entnommenen Wildtieren.
Für die Terraristik kommen ausschließlich legal gezüchtete Nachzuchten mit nachvollziehbarer Herkunft infrage. Kaufbelege und vorhandene Zuchtnachweise sollten dauerhaft aufbewahrt werden.
Welche Dokumente für Haltung, Weitergabe oder grenzüberschreitenden Transport erforderlich sind, richtet sich nach dem jeweiligen Land und der aktuellen Rechtslage. Der Schutzstatus wird deshalb nicht mit einem pauschalen Haltungsverbot gleichgesetzt.
Terrarium und Einrichtung
Höhe und sichere Struktur
Für ein adultes Tier eignet sich ein gut belüftetes Hochterrarium mit ungefähr 30 × 30 × 40 cm oder mehr nutzbarem Raum. Entscheidend sind nicht leere Höhe, sondern erreichbare senkrechte und diagonale Strukturen.
Eine aufrechte Korkröhre oder Korkplatte bildet den wichtigsten Rückzugsbereich. Äste, Korkstücke und standfeste Pflanzen schaffen Ankerpunkte für das Wohngespinst. Harte, scharfkantige Dekoration und unnötig große freie Fallstrecken werden vermieden.
Tür und Arbeitsbereich
Baumbewohner bauen ihr Gespinst häufig nahe der oberen Ecken oder Türen. Die Einrichtung wird so geplant, dass Wasserschale und Futterbereich erreichbar bleiben, ohne den Rückzugsort regelmäßig zu zerstören.
Bodengrund
Auch ein Hochterrarium benötigt eine ausreichend tiefe, aufnahmefähige Bodenschicht. Sie polstert, hält Pflanzen und dient als Feuchtigkeitsspeicher. Ungefähr 8 bis 12 cm geeignete, ungedüngte Erde oder eine stabile Mischung sind meist sinnvoll.
Der Boden darf in tieferen Bereichen leicht feucht bleiben, soll aber weder sumpfig noch dauerhaft vollständig nass sein. Das Tier lebt überwiegend erhöht; das Substrat ersetzt deshalb keine gute Belüftung.
Wasser und Belüftung
Eine standfeste Wasserschale ist dauerhaft vorhanden. Großzügige Quer- oder Doppelbelüftung ist zentral. Kondenswasser, muffige Luft und dauerhaft nasse Scheiben weisen auf ein ungeeignetes Klima hin.
Temperatur und Feuchtigkeitsmanagement
Praxisempfehlung: Ungefähr 22 bis 26 °C sind für die Haltung meist geeignet. Eine moderate Nachtabsenkung ist möglich. Direkte Sonne, Heizmatten unter dem Terrarium und unkontrollierte Überhitzung werden vermieden.
Die unteren Substratschichten oder ein begrenzter Bereich können leicht feucht gehalten werden, während andere Flächen abtrocknen dürfen. Gelegentliches gezieltes Wässern ist sinnvoller als häufiges flächiges Sprühen.
Hohe Feuchtigkeit ohne Luftbewegung ist keine naturnahe Lösung. Besonders bei Jungtieren sind kleine, gut belüftete Behälter mit erreichbaren Ankerpunkten und einem kontrollierten Feuchtigkeitsgefälle wichtiger als eine möglichst hohe Prozentzahl auf dem Hygrometer.
Verhalten und Beobachtung
Die Art verbringt viel Zeit im oder am Eingang ihres Wohngespinstes. In der Dämmerung und bei Dunkelheit kann sie auf Kork, Ästen und Gespinstwegen aktiv werden. Manche Tiere sitzen häufig sichtbar am Röhreneingang, andere bleiben über längere Phasen vollständig verborgen.
Jungtiere und adulte Tiere unterscheiden sich deutlich in der Färbung. Die Veränderung gehört zur normalen Entwicklung und ist kein Hinweis auf eine andere Art oder einen Mangelzustand.
Gespinstflächen über Türen oder Lüftungsbereiche werden möglichst nicht unnötig entfernt. Eine Einrichtung, die Pflegemaßnahmen außerhalb des Hauptgespinstes erlaubt, reduziert Störungen.
Verteidigungsverhalten
Als Art der Neuen Welt besitzt Caribena versicolor Brennhaare des Typs II. Diese können bei direktem Kontakt übertragen werden; für die Art wurde auch eine Verbreitung einzelner Brennhaare über die Luft dokumentiert.
Bei Störung sind schneller Rückzug, Flucht, rasche Richtungswechsel oder kurze Sprünge möglich. Eine Drohhaltung oder ein Verteidigungsbiss bleiben mögliche Reaktionen. Das Tier wird nicht mit der Hand aufgenommen.
Pflege und Umsetzen werden mit vorbereitetem Fangbehälter, geschlossenen Fluchtwegen und langen Hilfsmitteln geplant. Bei Arbeiten ist damit zu rechnen, dass die Spinne nach oben statt zum Boden flüchtet.
Fütterung, Gespinst und Häutung
Gefüttert werden geeignete Futterinsekten, die sich im strukturierten Terrarium erreichen und kontrollieren lassen. Menge und Abstand richten sich nach Entwicklungsstadium, Körperzustand und Aktivität. Nicht gefressene Tiere werden entfernt, sofern dies ohne starke Zerstörung des Gespinstes möglich ist.
Beute wird häufig am Gespinst oder auf erhöhten Strukturen ergriffen und in die Röhre gezogen. Eine Futterpinzette dient nur zum Platzieren oder Entfernen; direktes Anfüttern an den Fangzähnen ist unnötig.
Vor einer Häutung kann der Eingang vollständig verschlossen werden. Das Wohngespinst wird nicht geöffnet. Während und nach der Häutung wird nicht gefüttert, bis das Tier wieder sicher läuft und die Fangzähne vollständig ausgehärtet sind.
Bewertung für die Haltung
| Anfängerfreundlichkeit | 🕷️🕷️ | schnelle Baumbewohnerin mit hohen Anforderungen an Belüftung und Arbeitsabläufe |
| Sichtbarkeit | 🕷️🕷️🕷️ | häufig am Röhreneingang sichtbar, kann sich jedoch lange zurückziehen |
| Aktivität | 🕷️🕷️🕷️ | vor allem in Dämmerung und Dunkelheit auf erhöhten Strukturen aktiv |
| Grabverhalten | 🕷️ | gräbt kaum; nutzt Kork, Pflanzen und Hohlräume |
| Netzbau | 🕷️🕷️🕷️🕷️🕷️ | ausgeprägtes röhrenförmiges Wohngespinst mit weiten Ankerflächen |
Die Bewertungen dienen der Orientierung. Jede Vogelspinne ist ein Individuum und kann im Verhalten von typischen Beobachtungen abweichen.
Für wen ist Caribena versicolor geeignet?
Die Art passt zu Haltern, die ein funktionales Hochterrarium sorgfältig planen, schnelle Bewegungen ruhig handhaben und Freude an Gespinstbau sowie Farbentwicklung haben. Sie ist keine ideale erste Vogelspinne, kann nach soliden Grundlagen aber eine gut beobachtbare erste Baumbewohnerart sein.
Verstehen statt Fürchten: Die wichtigste Haltungsaufgabe besteht nicht darin, tropische Nässe zu erzeugen, sondern sichere Höhe, viele Ankerpunkte, frisches Wasser und dauerhaft wirksamen Luftaustausch anzubieten.
Wissenschaftliche und rechtliche Grundlagen
- World Spider Catalog: Caribena versicolor (Walckenaer, 1837), anerkannter Artstatus und Verbreitung Martinique.
- Fukushima & Bertani (2017): Revision der Aviculariinae, Aufstellung der Gattung Caribena, Taxonomie und Naturgeschichte.
- Kaderka et al. (2019): Morphologie und Verbreitungsweise der Brennhaare bei Vogelspinnen, einschließlich Typ II bei Caribena versicolor.
- Französisches Schutzdekret vom 3. August 2017: Schutz wildlebender Exemplare und ihrer Fortpflanzungs- und Ruhestätten auf Martinique.
Terrarienmaße, Temperaturbereiche, Größen- und Lebenserwartungsangaben sind vorsichtige Praxiswerte. Sie werden nicht als unveränderliche Naturdaten dargestellt und müssen an Entwicklungsstadium, Einrichtung und Verhalten des einzelnen Tieres angepasst werden.
