Tliltocatl albopilosus
Kraushaar-Vogelspinne
Tliltocatl albopilosus ist eine kräftige, bodenbewohnende Vogelspinne der Neuen Welt. Ihre langen, leicht gekräuselten Haare, die robuste Haltung und das häufig bedächtige Verhalten machen sie zu einer beliebten Art für den Einstieg.
Auch eine häufig als ruhig beschriebene Vogelspinne bleibt ein wehrhaftes Wildtier. Jedes Tier ist ein Individuum und kann sich zurückziehen, flüchten, Brennhaare einsetzen oder eine Drohhaltung zeigen.
Auf einen Blick
Lebensweise: Bodenbewohner, deutlich grabend
Herkunft: gesichert Costa Rica; weitere Nachweise aus südöstlichem Nicaragua
Herkunftswelt: Neue Welt
Einstieg: gut geeignet, wenn tiefer Bodengrund und Rückzugsmöglichkeiten geboten werden
Steckbrief und Systematik
| Wissenschaftlicher Name | Tliltocatl albopilosus (Valerio, 1980) |
| Frühere Bezeichnung | Brachypelma albopilosum |
| Familie | Theraphosidae |
| Gattung | Tliltocatl Mendoza & Francke, 2020 |
| Typusfundort | Caño Rito bei Upala, Provinz Alajuela, Costa Rica |
| Verbreitung | World Spider Catalog: Costa Rica; Schutzbewertung zusätzlich südöstliches Nicaragua |
| Lebensraum | feuchte tropische Laubwälder, Waldränder und teilweise gestörte Flächen |
| Lebensweise | terrestrisch bis stark grabend; Nutzung eigener oder vorhandener Hohlräume |
| Körperlänge | in der Schutzbewertung etwa 7 cm bei Weibchen und 6 cm bei Männchen |
| Lebenserwartung | Weibchen gelten als langlebig; konkrete Jahresangaben aus der Haltung sind Erfahrungswerte und keine Garantie |
| Artenschutz | CITES Anhang II; der internationale Handel ist reguliert, Nachzucht- und Herkunftsnachweise sollten dauerhaft aufbewahrt werden |
Warum die Art heute Tliltocatl albopilosus heißt
Die Art wurde 1980 als Brachypelma albopilosa beschrieben und war in der Terraristik lange als Brachypelma albopilosum bekannt. Mendoza und Francke überführten sie 2020 bei ihrer systematischen Revision in die neu beschriebene Gattung Tliltocatl.
Der aktuell verwendete Name lautet Tliltocatl albopilosus. Ältere Bücher, Herkunftsnachweise und Verkaufsanzeigen können weiterhin den früheren Gattungsnamen enthalten.
Verbreitung und ungeklärte Regionalformen
Der World Spider Catalog führt Costa Rica als gesicherte Verbreitung. Die Typuslokalität liegt im Norden des Landes bei Upala in der Provinz Alajuela.
Eine wissenschaftliche Schutzbewertung bezieht zusätzlich Vorkommen im südöstlichen Nicaragua ein, unter anderem im Departamento Río San Juan und in der südlichen Karibikregion. Im Handel werden außerdem Tiere mit der Bezeichnung „Honduras“ angeboten. Die taxonomische Zugehörigkeit dieser honduranischen Populationen ist jedoch nicht abschließend geklärt.
Deshalb sollte eine Regionalbezeichnung nicht automatisch mit einer wissenschaftlich bestätigten Artzugehörigkeit gleichgesetzt werden. Nachvollziehbare Herkunft und seriöse Nachzuchtangaben sind wichtiger als ein Handelsname oder die Beurteilung anhand eines Fotos.
Habitat und natürliche Lebensweise
Die Art wird vor allem mit feuchten tropischen Laubwäldern Mittelamerikas in Verbindung gebracht. Sie bevorzugt nach der Schutzbewertung eher wärmere, tiefer gelegene Bereiche, kommt aber in einem breiteren Höhenbereich vor und zeigt eine gewisse Toleranz gegenüber teilweise veränderten Lebensräumen.
Tliltocatl albopilosus nutzt vorhandene Hohlräume unter Wurzeln, Steinen, Holz und anderem Bodenmaterial oder legt eigene Erdröhren an. Der Rückzugsort kann mit Seide ausgekleidet und am Eingang mit Gespinst versehen werden. Dieses Gespinst dient nicht als Fangnetz, sondern unter anderem der Wahrnehmung von Erschütterungen und der Stabilisierung des Rückzugsortes.
Die Art wird im Terrarium einzeln gehalten. Räumlich nahe Naturfunde sind kein Beleg für eine sichere Gruppenhaltung.
Artenschutz und verantwortungsvoller Erwerb
Der internationale Handel mit Tliltocatl albopilosus wird über CITES Anhang II reguliert. Die Listung bedeutet nicht, dass privates Halten pauschal verboten ist. Sie soll sicherstellen, dass grenzüberschreitender Handel kontrolliert und mit dem Erhalt der Art vereinbar bleibt.
Für die Haltung werden ausschließlich legal erworbene Nachzuchten mit nachvollziehbarer Herkunft gewählt. Kaufbelege und vorhandene Herkunftsnachweise sollten dauerhaft aufbewahrt werden. Welche Dokumente konkret erforderlich sind, richtet sich nach Herkunftsland, Zielland und der jeweils geltenden Rechtslage.
Unklare Regionalbezeichnungen wie „Honduras“ sind kein Ersatz für eine dokumentierte Herkunft und keine sichere taxonomische Bestimmung.
Terrarium und Einrichtung
Grundfläche und Sicherheit
Für ein adultes Tier eignet sich ein bodenorientiertes Terrarium mit ungefähr 30 × 30 cm Grundfläche oder größer. Mehr nutzbare Fläche ermöglicht unterschiedliche Strukturen und Wahlbereiche.
Die freie Höhe über dem Bodengrund bleibt niedrig. Eine schwere bodenbewohnende Vogelspinne kann sich bei einem Sturz am Hinterleib schwer verletzen.
Versteck und Bauansatz
Ein stabiles Versteck aus Kork, Holz oder einer vergleichbaren Struktur wird direkt angeboten. Eine leicht vorgegrabene Mulde oder ein kurzer Tunnelansatz erleichtert dem Tier die Annahme und Erweiterung des Rückzugsortes.
Bodengrund
Der Bodengrund muss tief, verdichtbar, grabfähig und frei von scharfkantigen Bestandteilen sein. Geeignet sind zum Beispiel, in dieser Reihenfolge:
- Graberde
- Kokushumus
- Blumenerde ohne Dünger, Pflanzenschutzmittel oder Perlite
- lehmhaltiger Sand zum Beimischen und Stabilisieren
Eine Mischung ist häufig sinnvoll. Für ein adultes Tier sollten möglichst etwa 15 bis 25 cm standfester Bodengrund angeboten werden, sofern das Terrarium dies sicher zulässt.
Wasser und Belüftung
Eine standfeste Wasserschale mit frischem Wasser ist dauerhaft verfügbar. Gute Quer- oder Doppelbelüftung verhindert stehende, dauerhaft nasse Luft.
Temperatur und Substratklima
Praxisempfehlung: Eine gewöhnliche Raumtemperatur von ungefähr 21 bis 25 °C ist meist ausreichend. Eine leichte Nachtabsenkung ist möglich. Direkte Sonne, Wärmestau und dauerhafte starke Erwärmung werden vermieden.
Im Gegensatz zu ausgeprägt trockenheitsliebenden Arten sollte Tliltocatl albopilosus nicht dauerhaft vollständig trocken gehalten werden. Die Oberfläche kann stellenweise abtrocknen, während tiefere Substratschichten und ein Bereich rund um den Rückzugsort leicht feucht bleiben dürfen.
Entscheidend ist ein Feuchtigkeitsgefälle mit guter Belüftung. Das Tier soll zwischen trockeneren und etwas feuchteren Bereichen wählen können. Eine starre Prozentzahl zur Luftfeuchtigkeit ist weniger aussagekräftig als der gemeinsame Blick auf Bodengrund, Wasserschale, Temperatur und Luftaustausch.
Verhalten und Beobachtung
Tliltocatl albopilosus wird in der Haltung häufig als robust, futterfest und vergleichsweise bedächtig beobachtet. Viele Tiere sitzen regelmäßig vor ihrem Rückzugsort, andere graben umfangreich und bleiben zeitweise vollständig verborgen.
Das Umgestalten des Bodengrunds, Erweitern des Baus und Einspinnen des Eingangs gehören zum normalen Verhalten. Eine verschlossene Höhle ist häufig mit Ruhe, Fresspause oder einer bevorstehenden Häutung verbunden und wird nicht gewaltsam geöffnet.
Verteidigungsverhalten
Als Vogelspinne der Neuen Welt besitzt die Art Brennhaare. Bei Störung sind Rückzug, Flucht, Abstreifen von Brennhaaren oder eine Drohhaltung möglich. Einzelne Tiere können deutlich defensiver reagieren als der Ruf der Art vermuten lässt.
Ein Biss bleibt eine mögliche letzte Verteidigungsreaktion. Das Tier wird deshalb nicht mit der Hand aufgenommen. Pflege und Umsetzen erfolgen ruhig mit Fangbehälter und geeigneten Hilfsmitteln.
Fütterung, Fresspausen und Häutung
Gefüttert werden passende, nicht zu große Futterinsekten. Menge und Abstand richten sich nach Alter, Größe, Aktivität und Körperzustand des Tieres. Nicht gefressene Futtertiere werden zeitnah entfernt.
Die Art nimmt Futter häufig zuverlässig an, kann aber ebenso längere Fresspausen einlegen. Ein normal proportioniertes Hinterleib, Zugang zu Wasser und unauffälliges Verhalten sind aussagekräftiger als ein starrer Fütterungsplan.
Vor einer Häutung zieht sich das Tier häufig zurück und verschließt den Bau. Während und nach der Häutung wird nicht gefüttert, bis die Fangzähne wieder vollständig ausgehärtet sind.
Bewertung für den Einstieg
| Anfängerfreundlichkeit | 🕷️🕷️🕷️🕷️🕷️ | robust und meist gut zu beobachten, benötigt aber tiefen Bodengrund |
| Sichtbarkeit | 🕷️🕷️🕷️🕷️ | häufig sichtbar, bei intensivem Graben auch längere Rückzugsphasen |
| Aktivität | 🕷️🕷️ | ruhiger Lauerjäger, der den Bau regelmäßig umgestaltet |
| Grabverhalten | 🕷️🕷️🕷️🕷️ | gräbt und erweitert Verstecke oft deutlich |
| Netzbau | 🕷️🕷️ | spinnt häufig Eingang, Untergrund und Rückzugsort aus |
Die Bewertungen dienen der Orientierung. Jede Vogelspinne ist ein Individuum und kann im Verhalten von typischen Beobachtungen abweichen.
Für wen ist Tliltocatl albopilosus geeignet?
Die Art passt zu Menschen, die eine robuste, kräftige und häufig gut sichtbare Vogelspinne beobachten möchten und ihr gleichzeitig ausreichend Bodentiefe zum Graben bieten können. Auch längere Rückzugsphasen müssen akzeptiert werden.
Verstehen statt Fürchten: Anfängerfreundlich bedeutet nicht anspruchslos oder garantiert ruhig. Gute Haltung gibt dem Tier Sicherheit, Wahlmöglichkeiten und ausreichend Raum für sein natürliches Grabverhalten.
Wissenschaftliche Grundlagen
- World Spider Catalog: Tliltocatl albopilosus (Valerio, 1980), aktueller Artstatus, Nomenklatur und offiziell geführte Verbreitung.
- Valerio (1980): Originalbeschreibung als Brachypelma albopilosa aus Costa Rica.
- Mendoza & Francke (2020): Revision von Brachypelma und Überführung der Art in die neue Gattung Tliltocatl.
- Cardoso et al. (2019): Schutzprofil mit Angaben zu Verbreitung, Habitat, Lebensweise und ungeklärten honduranischen Populationen.
- CITES: Listung der Kraushaar-Vogelspinne in Anhang II; der internationale Handel unterliegt den Bestimmungen des Übereinkommens.
Haltungsangaben sind als vorsichtige Praxisempfehlungen gekennzeichnet. Sie verbinden publizierte Naturbeobachtungen mit etablierter Terrarienpraxis und müssen an Alter, Größe und Verhalten des einzelnen Tieres angepasst werden.
